Betreuungsgeld – Rolle rückwärts für Deutschland

Dass es deutschen Frauen kaum gelingt, Familie und Beruf zufriedenstellend zu vereinbaren, legt ein Blick aufs europäische Ausland nahe. Anders als in Deutschland arbeiten beispielsweise in Frankreich viele Mütter ganztags. Zeitgleich ist dort die Geburtenrate wesentlich höher als in Deutschland.

Natürlich fehlt es in Deutschland allerorts an Kinderbetreuungs – Einrichtungen und Ganztagsschulen. Aber es ist nicht allein das fehlende Kinderbetreuungsangebot, das den Ausschlag für das deutsche Vereinbarkeitsproblem gibt. Anders als in Frankreichoder ist in Deutschland die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch keine Querschnittsaufgabe, die sich durch alle Politikbereiche inklusive der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zieht.

                  Bildquelle: www.dieterhanitzsch.de

Dieses Manko in Deutschland wird auf internationaler Ebene kritisiert.  So bemängelt beispielsweise die EU-Kommission seit Jahren, dass Deutschland für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht genug tut.  In Deutschland steht die Vereinbarkeitsförderung zwar auf der politischen Agenda, aber es gibt kein kohärentes Konzept zur Umsetzung. Vor allem fehlt es an Plänen zur beruflichen Förderung von Frauen mit Kindern. Nicht dienlich ist es dabei,  dass Deutschland beispielsweise bei der geschlechtlichen Gleichstellung in der Privatwirtschaft immer noch auf Versprechungen der Wirtschaft setzt, anstatt sich wie Frankreich zu einer gesetzlich festgelegten Frauenquote in den Führungsgremien großer Unternehmen durchzuringen.

Deutschland hat zwar für die nächsten Jahren einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen versprochen. Die aktuelle Reformdiskussion in Deutschland ist jedoch erschreckend rückwärtsgewandt. Das von einigen PolitikerInnen eingeforderte „Betreuungsgeld“ soll Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren NICHT in Tageseinrichtungen betreuen lassen, eine monatliche Zahlung gewähren. So soll das Betreuungsgeld einen Ausgleich dafür schaffen, dass erwerbstätige Eltern vom Elterngeld und von den geplanten Investitionen in Kinderbetreuungseinrichtungen profitieren. Damit wird jedoch gerade für gering qualifizierte Mütter der Anreiz gestärkt, dem Arbeitsmarkt fernzubleiben. Leider bleibt in Deutschland oft  unbemerkt, dass die Förderung der Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen das beste Mittel gegen Kinderarmut ist. Und gerade Kinder aus prekären Verhältnissen würden vom Besuch öffentlicher Kinderbetreuungseinrichtungen besonders profitieren.

Die Betreuungsgeld- Diskussion verdeutlicht einmal mehr, dass Deutschland es nicht wagt, dem Ausbau von Betreuungsangeboten eindeutig Priorität einzuräumen. So betreibt Deutschland gegenwärtig eine Rückkehr von einer Frauenpolitik zu einer reinen Familienpolitik, in der Gleichstellungsaspekte eindeutig zu kurz kommen.

Quelle: Angela Luci

Zum weiterlesen:

Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Frankreich. Warum es Französinnen besser gelingt, Familie und Beruf zu vereinbaren.

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